Firmen stellen angeblich kaum noch Junior-Entwickler ein. Nicht weil es weniger Berufseinsteiger gibt, sondern weil viele glauben, ChatGPT und Co. könnten diese Rolle einfach übernehmen.
Die Logik klingt zunächst plausibel: Ein Junior kostet Zeit, stellt Fragen, braucht Mentoring. Ein KI-Tool erledigt ähnliche Aufgaben schneller und günstiger. Problem gelöst, denkt man. Nur ist das nicht nachhaltig gelöst.
Warum Juniors mehr sind als billige Arbeitskraft
Juniors sind Menschen in Ausbildung. Sie fragen nach, warum etwas so gemacht wird, wie es gemacht wird. Sie schreiben Code, der noch nicht perfekt ist - und lernen genau daran, es beim nächsten Mal besser zu machen. Sie sind die Senior-Entwickler von übermorgen.
Drehen wir diese Pipeline jetzt zu, fehlt in ein paar Jahren etwas Entscheidendes: Niemand versteht mehr im Detail, wie die eigenen Systeme funktionieren. Niemand kann debuggen, wenn es ernsthaft schiefgeht. Niemand kennt die Architektur von innen.
Übrig bleiben Leute, die Code-Generierung bedienen können - aber nicht verstehen, was dabei eigentlich passiert.
Was die Forschung dazu sagt
Eine Studie von Anthropic deutet in genau diese Richtung: Berufseinsteiger, die von Anfang an zu stark auf KI setzen, bauen schwächere fachliche Grundlagen auf. Sie sind schneller unterwegs. Aber nicht zwangsläufig besser.
Meine eigene, unbequeme Position dabei
Ich profitiere als Senior womöglich selbst davon. Wenn niemand mehr versteht, wie die Systeme im Kern funktionieren, werden Leute wie ich gebraucht. Gut für meine Stundensätze.
Aber: Wer heute Juniors einstellt, investiert in Verständnis - in Menschen, die ihre eigenen Systeme später selbst reparieren können. Das kostet jetzt Geld. Es spart aber Chaos in der Zukunft. Wer das nicht tut, spart heute Geld - und zahlt mir dafür später eine ordentliche Beratungsrechnung.
Die eigentlich interessante Frage lautet nicht: Lohnt sich ein Junior? Sondern: Kann KI einen Menschen wirklich ersetzen?
Ich glaube nicht.
Wo genau diese Grenze in deinem Unternehmen liegt, also was KI heute schon zuverlässig übernimmt und wo erfahrene Köpfe unersetzlich bleiben, ist eine der Fragen, die ich im KI-Coaching mit Unternehmen durchdenke.